Nürnberg im Nationalsozialismus – Teil 5 – Das Deutsche Stadion

Anmerkung vorab:
Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von allen Personen, deren Gedankengut welches sie verbreitet haben, sowie sämtlichen (Verfassungsfeindlichen) Symbolen die auf den Fotos zu sehen sind. Da die Bilder in einem historischen Zusammenhang mit der Geschichte Nürnbergs stehen, ist eine Veröffentlichung gestattet (siehe auch Strafgesetzbuch § 86 Absatz 3). Die Bilder wurden mir von Dr. Eckart Dietzfelbinger, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Dokumentationszentrum Nürnberg zur Verfügung und Veröffentlichung gestellt. Vielen Dank an dieser Stelle!

Das Deutsche Stadion – damals

Das größte Bauvorhaben auf dem Gelände der Reichsparteitage war für das „Deutsche Stadion“ geplant. Mit einer geschätzten Grundfläche von 350.000 m² und Platz für knapp eine halbe Million Menschen sollte es das „größte Sportstadion der Welt“ werden. Mehr als 150 Express-Aufzüge wären in der Lage gewesen jeweils 100 Menschen gleichzeitig auf die verschiedenen Ebenen zu transportieren.

Der Grundstein für diesen Bau wurde am 9. September 1937 durch Adolf Hitler persönlich gelegt und sollte pünktlich zum Parteitag 1945 eingeweiht werden. Die Ausmaße des Deutschen Stadions übertreffen jedes bekannte Gebäude, es wäre höher gewesen als die Lorenzkirche im Zentrum Nürnbergs und um ein vielfaches größer als das Olympiastadion zu Berlin. Ähnlich wie die „Kongresshalle“ war auch das Deutsche Stadion in Hufeisenform konzipiert und hat das Olympiastadion in Athen zum Vorbild.

Laut den Plänen Albert Speer hätte das Deutsche Stadion eine Länge von 800 Metern und eine Breite von über 450 Metern gehabt. Mit einer Höhe von rund 100 Metern hätte der unbebaute Raum 8,5 Millionen Kubikmeter betragen – in etwa das Dreifache der Cheopspyramide in Gizeh.

Das Spielfeld selbst hätte eine Länge von 380 Metern und eine Breite von 150 Metern gehabt und von jedem Platz der bis zu 100 Meter hohen Tribüne bestens einsehbar. Alleine für die Verkleidung der Außenfassade hatte Speer über 350.000 Meter an rosa und rötlichem Granit eingeplant – für die Zuschauertribünen etwa 400.000 Meter an weiß-grauem Granit.

Den Eingangsbereich zwischen dem Stadion und der „Großen Straße“ sollte ein 360 Meter langer und 180 Meter breiter, mit Granit gepflasterter Vorhof zieren. Auf diesem Vorhof haben die Planer eine 150 Meter lange Ehrentribüne errichten wollen die unmittelbar an die „Große Straße“ angeschlossen ist.

Um bereits vor Baubeginn die Sicht von den einzelnen Plätzen und Tribünen zu simulieren, wurde bei der Ortschaft Oberklausen – östlich von Nürnberg – eine Tribünenanlage im Maßstab 1:1 an einem Berghang errichtet. Bis zu 400 Arbeiter waren zwischen 1937 und 1939 damit beauftragt Wälder zu roden, Erdmassen auszuheben, Fundamente zu errichten sowie die Holzaufbauten zu erstellen. Das Modell sollte etwa ein Zehntel der Originalgröße darstellen und komplett aus Holz gebaut werden und aus drei Tribünen mit jeweils fünf Rängen bestehen. Das Gelände wurde strengstens bewacht und als Testobjekt mit verschiedenen Neigungswinkeln als generelles Anschauungsobjekt gedacht.

Mit Ausbruch des zweiten Weltkrieges kamen die Bauarbeiten nicht über das Stadium der Ausschachtung für das Fundament hinaus.

Das Deutsche Stadion – heute

Bis Anfang 1945 wurde in der Baugrube des Deutschen Stadions eine Grundwasserhaltung Mittels Pumpen betrieben und mit dem Kriegsende folglich eingestellt. Die Grundstockausschachtung lief in der Folgezeit mit Grund- und Regenwasser voll und bildete so die sechste Wasserfläche auf dem Gelände des Dutzendteiches – den Silbersee.

Ab 1945 wurde der südöstliche Teil der Baugrube als zentrale Nürnberger Schuttdeponie verwendet. Der südwestliche Teil der Baugrube wurde mit ca. 10 Millionen Tonnen Schutt aus der zu 90% zerstörten Altstadt gefüllt. In den Folgejahren wurde das Gebiet auf dem das Deutsche Stadion geplant war als Deponie von Privatleuten und der Industrie – auch mit Teils kritischen Stoffen – genutzt. Ende 1962 griff die Stadt Nürnberg ein und verbot das weitere Abladen von Müll und Schutt. Durch die hohe Schadstoffbelastung kommt es noch heute zu umfangreichen Abbauprozessen im Silbersee, dabei entstehen nicht unerhebliche Mengen von Schwefelwasserstoff.

Aus Gründen der Lebensgefährdung ist das Baden im Silbersee gesetzlich verboten.

Teil 6 – Das städtische Stadion, erscheint Montag den 29.11.2010 um 9:00 Uhr

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2 Kommentare to “Nürnberg im Nationalsozialismus – Teil 5 – Das Deutsche Stadion”

Robert Scheuerer Montag, 1. April 2013 at 10:25

Nach den im Internet verfügbaren Quellen (z. B. Wikipedia.de, einestages (Spiegel Zeitgeschichten) wurde der Grundstein für das Stadion nicht am 9. Juli, sondern am 9. September 1937 während des Reichsparteitages gelegt.

Mit freundlichem Gruß
R. Scheuerer

Phil Montag, 1. April 2013 at 10:31

Hallo Herr Scheurer,

Vielen Dank für die Information, das Datum ist korrigiert worden.

Viele Grüße
P. Lotz

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