Nürnberg im Nationalsozialismus – Teil 3 – Die Kongresshalle

Anmerkung vorab:
Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von allen Personen, dem Gedankengut welches sie verbreitet haben, sowie sämtlichen (Verfassungsfeindlichen) Symbolen die auf den Fotos zu sehen sind. Da die Bilder in einem historischen Zusammenhang mit der Geschichte Nürnbergs stehen, ist eine Veröffentlichung gestattet (siehe auch Strafgesetzbuch § 86 Absatz 3). Die Bilder wurden mir von Dr. Eckart Dietzfelbinger, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Dokumentationszentrum Nürnberg zur Verfügung und Veröffentlichung gestellt. Vielen Dank an dieser Stelle!

Die Kongresshalle – damals

Das umfangreichste Bauwerk auf dem Gelände der Reichsparteitage stellt die Kongresshalle dar. Die ersten Pläne für das an das Kolosseum in Rom erinnernde Gebäude gehen auf das Jahr 1928 zurück. Ab 1935 wurden die seit 1933 bestehenden Baupläne der Architekten Ludwig und Franz Ruff in die Tat umgesetzt und die Kongresshalle gebaut.

Bei Fertigstellung (geplant war das Jahr 1955) sollten bis zu 50.000 Menschen in der Halle Platz finden, davon über 40.000 im Hauptsaal. Der Hauptsaal sollte Hufeisenförmig von einem 400 Meter langen Säulengang mit insgesamt 88 Pfeilern umschlossen sein. Die Ostseite des Baus sollte von zwei Kopfbauten und einem kleinen Innenhof verziert werden. Das Dach sollte der krönende Abschluss werden – es war als eine freitragende Stahlkonstruktion mit einer Spannweite von 170 Metern und einem Gesamtgewicht von 24.000 Tonnen, für den dafür benötigten Stahl alleine.

Der Grundstein wurde mit den Parteitagen 1935 gelegt. Die Ausmaße der Kongresshalle wären bei Vollendung gigantisch gewesen: 70 Meter in der Höhe (39 Meter sind es lediglich geworden), 272 Meter in der Länge und 265 Meter in der Tiefe. Die Gesamtfläche hätte sich auf knapp 72.000 km² belaufen. Der Untergrund rund um den großen Dutzendteich stellte sich schnell als völlig ungeeignet heraus. Im Nordosten der Baustelle bestand die Oberfläche aus Sandstein aus Keuper, der nach Südwesten immer weiter einfällt. Darüber liegen unterschiedlich dicke Schichten aus Sand, Ton und Lehm.

Aus diesem Grund wurden 50 Zentimeter breite Rohre bis etwa 16 Meter tief in den Sandstein gebohrt. Nachdem die Rohre hineingebohrt wurden, wurden sie mit Basaltschotter und getrocknetem Ton gefüllt. Das verlieh dem gesamten Bau die benötigte Stabilität.

Die Außenfassade besteht aus bis zu fünf Meter dicken Granitblöcken, die von Zwangsarbeitern aus dem KZ Flossenbürg geschlagen wurden. Der Vorliebe der Nationalsozialisten für monumentale Bauten und vergangene Epochen, ist es zu „verdanken“ dass die Kongresshalle beim ersten Blick an das Kolosseum in Rom erinnert – ein durchaus gewollter Effekt.

Zu Beginn der Bauarbeiten wurden 25 Millionen Reichsmark für den Bau veranschlagt – bei Einstellung 1943 hat sich diese Summe nahezu verzehnfacht und ist auf 210 Millionen Reichsmark angestiegen. Aus Unterlagen ging hervor dass alleine die Blöcke aus Granit mehr als 20 Millionen zu Buche schlugen.

Die Kongresshalle – heute

Leider gingen nach dem Krieg sämtliche Akten über Kongresshalle verloren, sodass eine Ansicht nach Fertigstellung nur auf mündlichen Aussagen von beteiligten Architekten beruht.

Die Kongresshalle diente den in Nürnberg stationierten amerikanischen Truppen nach Ende des Zweiten Weltkrieges als Lagerplatz für militärisches Zubehör. In den 1950er Jahren gingen die Grundstücke die damals in den „Zweckverband Reichsparteitage“ eingebracht wurden wieder zurück an die Stadt. Bis 1955 investierte die Stadt Nürnberg alleine für Instandsetzungsarbeiten der Kongresshalle knapp 900.000 D-Mark (460.000 Euro).

1973 wurden alle Gebäude auf dem Gelände der Reichsparteitage unter Denkmalschutz gestellt. In der unvollendeten Kongresshalle ist neben Vereinen und städtischen Einrichtungen auch ein Lager und eine Konzertbühne untergebracht.

In den nördlichen Kopfbau wurde die seit 1985 in der Zeppelintribüne befindliche Ausstellung „Faszination und Gewalt“ umgezogen. Am 4. November 2001 wurde die neue, 1.300m² große Dauerausstellung vom damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau, des damaligen Nürnberg Oberbürgermeisters Ludwig Scholz, sowie Dr. Edmund Stoiber – damaliger Ministerpräsident Bayerns feierlich eröffnet. Der neue Name der Dauerausstellung ist „Dokumentationszentrum Reichsparteitage Nürnberg“.

Die Ausstellung befasst sich mit den Themen Nürnberg – Stadt der Reichsparteitage, dem Reichsparteitagsgelände, der Parteitagsarchitektur, Machtergreifung und –ausübung der NS-Diktatur und abgeschlossen wird der Rundgang mit den Nürnberger Prozessen.

Im obersten Stockwerk des erweiterten Nordflügels ist ein Studienforum untergebracht worden. Unter der dem Dach der museen der stadt nürnberg werden sieben Bildungseinrichtungen zusammengeführt und erlaubt ein Zielgruppenorientiertes Programm. Angebote reichen von 45-minütigen Nachgesprächen über die Ausstellung bis hin zu Studientagen. Die Zielgruppen sind vornehmlich Schulklassen und Jugendliche sowie Heranwachsende sowie Erwachsene.

Partner im Studienforum sind im Einzelnen:

  1. Geschichte für Alle e.V.
  2. Jugendakademie im Caritas-Pirckheimer-Haus
  3. Jugendzentrum für kulturelle und politische Bildung der Stadt Nürnberg
  4. Kreisjugendring Nürnberg-Stadt
  5. Kunst -und Kulturpädagogisches Zentrum der Museen in Nürnberg
  6. Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg
  7. Nürnberger Menschenrechtszentrum e.V.

Jeder der sich geschichtlich interessiert, besonders was Deutschland bzw. Nürnberg und das “Dritte Reich” betrifft, darf sich einen Besuch im Dokumentationszentrum nicht entgehen lassen.

Teil 4 – Die Große Straße, erscheint Montag den 15.11.2010 um 9:00 Uhr

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Dieser Beitrag wurde am Montag, 8. November 2010 um 09:00 Uhr erstellt und unter der Kategorie Nürnberg abgelegt. Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, hinterlasse einen Kommentar, oder setze einen Trackback von Deiner eigenen Homepage.

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