Nürnberg im Nationalsozialismus – Teil 7 – Das Zeppelinfeld & die Steintribüne

Anmerkung vorab:
Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von allen Personen, dem Gedankengut welches sie verbreitet haben, sowie sämtlichen (Verfassungsfeindlichen) Symbolen die auf den Fotos zu sehen sind. Da die Bilder in einem historischen Zusammenhang mit der Geschichte Nürnbergs stehen, ist eine Veröffentlichung gestattet (siehe auch Strafgesetzbuch § 86 Absatz 3). Die Bilder wurden mir von Dr. Eckart Dietzfelbinger, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Dokumentationszentrum Nürnberg zur Verfügung und Veröffentlichung gestellt. Vielen Dank an dieser Stelle!

Das Zeppelinfeld & die Steintribüne – damals

Seinen Namen erhielt das Zeppelinfeld durch die erste Landung eines Zeppelin in Nürnberg am 27. August 1909. 1910 wurde das ehemals sumpfige Wald- und Wiesengebiet in eine Parkanlage mit angeschlossenem Volksfestplatz umgewandelt. Unter der Leitung des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Hermann Luppe wurde das komplette Gebiet zwischen dem Tiergarten (damals am Dutzendteich untergebracht) und dem Zeppelinfeld nach dem Ersten Weltkrieg zu einem „Volkspark“ umgewandelt.

Zum Volkspark zählten neben mehrerer kleinen Sportanlagen auch das städtische Stadion mit dem Stadionbad sowie einer Kleingärtneranlage, Liegewiesen und Wanderwege. Bereits 1929 entstanden im Bereich der Steintribünen fünf Meter hohe Wälle die bis zu 80.000 Menschen Platz bieten sollten. Ab 1933 wurde diese Anlage für die politischen Veranstaltungen der NSDAP übernommen.

Unter der Leitung des Architekten Albert Speer wurde das Zeppelinfeld von 1934 bis 1937 in ein Aufmarschgelände für die Reichsparteitage umgewandelt. Östlich des etwa 400 Meter mal 400 Meter großen Feldes entstand eine Tribüne die das ganze Feld beherrscht – die Steintribüne. Der Hauptbestandteil der Steintribüne besteht aus roten Backsteinen, um jedoch in die Optik der weiteren Gebäude auf dem Reichsparteitagsgelände zu passen, wurden die Außenseiten mit Kalkplatten verkleidet.

Im Mittelteil der knapp 400 Meter langen und 25 Meter hohen Anlage befindet sich der „Goldene Saal“, von wo aus zwei große Treppenaufgänge zu einer Rednertribüne führen. Links und rechts der Rednertribüne befinden sich die großen Treppenanlagen, welche als Sitzplätze genutzt wurden. Am oberen Ende der Steintribüne befand sich eine doppelte Säulenreihe die sich über die Gesamte Breite der Tribüne hinzog. Abgeschlossen wurde die Tribüne mit Ecktürmen am Nord- und Südende auf denen zwei große Feuerschalen platziert wurden. Eine dieser Schalen ist heute im „Goldenen Saal“ im Inneren der Tribüne untergebracht, die andere befindet sich außerhalb, vor dem Eingang. Wie fast alle Bauten der Nationalsozialisten, ist auch die Architektur der Steintribüne an ein antikes Bauwerk angelehnt. Vermutlich ist es in diesem Fall der Pergamonaltar und soll einen „Pseudoreligiösen“ Charakter ausstrahlen.

Nur durch eine Aufmarschstraße im Westen abgetrennt beginnt das Rund 100.000m² große Zeppelinfeld. Es wird an drei Seiten durch sechs Meter hohe (ursprünglich waren diese lediglich fünf Meter hoch) Wälle und 28 symmetrisch angelegten Türmen eingerahmt.

Nachdem im Jahre 1937 alle Baumaßnahmen abgeschlossen waren, wurden auf dem gesamten Areal an die 40.000 Eichen gepflanzt um das blendende Weiß der Muschelkalkfassade dass zur Verkleidung der Steintribüne verwendet wurde abzumildern. Im Nürnberger Volksmund nannte man das gesamte Areal „Weiße-Würstchen-Wiese“, was vermutlich auf die Vielzahl der weißen Fahnenstangen zurückzuführen ist.

Während der Veranstaltungen der Wehrmacht und des Reichsarbeitsdienstes sowie der Appell der politischen Leiter der NSDAP, konnten auf der Steintribüne ca. 70.000 Menschen und auf dem Zeppelinfeld ca. 250.000 Menschen Platz nehmen.

Albert Speer brachte 1936 die Idee vor, die Abendveranstaltungen der Parteitage mit Unmengen von Scheinwerfern optisch aufzuwerten. Er forderte 130 Flak-Scheinwerfer aus Wehrmachtsbeständen an. Diese Zahl entsprach der kompletten strategischen Reserve und die Luftwaffenführung (vermutlich auch Hermann Göring selbst) protestierte massiv gegen die Anfrage. Mit dem Argument Wenn die Reichsführung die Flak-Scheinwerfer in einer so großen Anzahl für eine derartige Sache benutzt, muss das Ausland denken, dass Deutschland in Flak-Scheinwerfer schwimme wurde der Widerstand der Luftwaffe letztendlich abgetan und Speer erhielt die Scheinwerfer für seine Zwecke.

Die Scheinwerfer wurden rings um das Zeppelinfeld mit jeweils zwölf Metern Abstand zueinander aufgebaut und senkrecht nach oben in den Himmel ausgerichtet. Der sogenannte Effekt des „Lichterdomes“ war aufgrund einer Strahlweite von über 6 Kilometern noch bis nach Frankfurt am Main bzw. bis nach Prag sichtbar.

Zur Deckung des immensen Energieverbrauchs für diese Beleuchtung (schätzungsweise 40.000 Kilowattstunden pro Abend) wurde nordöstlich der Zeppelinwiese und Steintribüne ein Steingebäude errichtet in dem Transformatoren für die Stromversorgung des gesamten Reichsparteitagsgeländes untergebracht waren.

Das Zeppelinfeld & die Steintribüne – heute

Nach der Eroberung Nürnbergs wurde das große vergoldete Hakenkreuz dass sich auf dem Mittelteil der Steintribüne befand durch die Amerikaner gesprengt – diese Filmaufnahmen symbolisieren bis heute den Niedergang der Diktatur im Dritten Reich.

Das Areal rund um die Steintribüne wird heute für das jährlich stattfindende Norisringrennen im Rahmen der DTM genutzt. Das Zeppelinfeld wird für das Open-Air-Festival „Rock im Park“ genutzt.

Nach mehreren Zwischenfällen (mindestens ein Todesfall ist hier zu beklagen) im Zusammenhang mit illegalen Autorennen wurden die Zufahrtswege vor die Steintribüne durch Betonblöcke versperrt.

Von 1985 bis 2001 wurde im Sommer im „Goldenen Saal“ die Ausstellung „Faszination und Gewalt“ gezeigt, die sich mit dem Erbe der nationalsozialistischen Diktatur von Nürnberg befasst. Seit 2001 ist die Ausstellung in den Nordflügel der Kongresshalle untergebracht und erweitert worden, da die Steintribüne akut einsturzgefährdet ist. Ein betreten der Tribüne erfolgt auf eigene Gefahr.

Die ehemalige Trafostation ist 1945 in den Besitz der Stadt Nürnberg übergegangen und wurde bis 1998 vom lokalen Energieversorger zur Stromversorgung genutzt. Seit 2006 ist in einem Teil der Trafostation ein Fast-Food-Restaurant einer bekannten US-Firma untergebracht. Die Umrisse des Reichsadlers sind noch heute auf der Fassade klar und deutlich erkennbar.

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Dieser Beitrag wurde am Montag, 6. Dezember 2010 um 09:00 Uhr erstellt und unter der Kategorie Nürnberg abgelegt. Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, hinterlasse einen Kommentar, oder setze einen Trackback von Deiner eigenen Homepage.

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